Seit über 20 Jahren arbeitet die Organisation „Native Medicare Charitable Trust“ (NMCT) für benachteiligte Kinder und Familien. NMCT arbeitet sehr eng mit diesen Menschen zusammen. So verwundert es auch nicht, dass sie ihre Impulse und Ansätze ansprechend, realitätsnah und an den Alltag der Zielgruppe angepasst gestalten. Hier ein kleiner Einblick in eine sehr erfolgreiche Kampagne, die sie gestartet haben, um über HIV/ Aids aufzuklären.

Ein Plakat von NMCT, welches in einem Dorf über ihre Arbeit informiert und Betroffenen Kontaktmöglichkeiten aufzeigt.
Ein Plakat von NMCT, welches in einem Dorf über ihre Arbeit informiert und Betroffenen Kontaktmöglichkeiten aufzeigt.

Theaterstücke mit sozialer und politischer Botschaft sind spätestens seit der Unabhängigkeitsbewegung nicht mehr aus Indien wegzudenken. In den 20er und 30er Jahren wurde das politische Theater erstmals als Bühne zur Verbreitung von Information und Bildung genutzt. Es bediente sich an Vorbildern aus der Geschichte und der Mythologie, um die Bevölkerung gegen die erfahrene Ungerechtigkeit durch die britischen Kolonialherren zu mobilisieren. Dem Theater wird eine identitätsstiftende Schlüsselrolle zugeschrieben, um das veränderte kollektive Bewusstsein zu erklären. Insbesondere abgelegene, ländliche Gegenden wurden so erreicht und mobilisiert .
Heute wird diese Art von Informationsverbreitung vorallem in Dörfern genutzt, wo noch ien großer Zusammenhalt herrscht. NMCT kann so einen Großteil der Bevölkerung eines Dorfes ansprechen – die Alten und Jungen, die ganz Armen und die Gutverdiener – sie alle kommen, um sich die seltene Möglichkeit der abendlichen Unterhaltung auf dem Dorfplatz nicht entgehen zu lassen.

02-TheaterHIVNMCT nutzt diesen Ansatz, um so zum einen über HIV/Aids aufzuklären, aber andererseits auch, um das kollektive Bewusstsein für die sozialen Folgen einer Erkrankung zu sensibilisieren. Noch immer erfahren viele Erkrankte Diskriminierung, werden stigmatisiert und von Familien und der Gesellschaft ausgeschlossen. Zu der physischen Erkrankung kommen psychische Probleme hinzu – die Depressions- und Suizidrate steigt.

NMCT engagiert professionelle Schauspieler, die mit Tiefgang und Humor ein Programm vorbereiten. Dieses wird dann in unterschiedlichen Dörfern aufgeführt. Eine Aufführung gestaltet sich folgend:

03-TheaterHIVDie Schauspieler kommen in ein Dorf. Dort führen sie alle 300 Meter einen unterhaltsamen, pointierten Einführungssketch auf und weisen auf die spätere eigentliche Veranstaltung auf dem Dorfplatz hin. Nach Anbruch der Dunkelheit bleibt für die Menschen im Dorf häufig nicht mehr viel zu tun, das Programm verspricht Unterhaltung und Abwechslung. Die Menschen aus dem Dorf nehmen die Einladung gerne an.

Das gesamte Dorf versammelt sich auf dem Dorfplatz. Dort führen die Schauspieler ihr eigentliches Programm auf. Auf humorvolle, aber dennoch eindrucksvolle Weise klären sie über HIV und dessen Ansteckungswege auf: Dies kann entweder durch oralen, analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person erfolgen; durch infizierte Spritzen im medizinischem Bereich oder im intravenösen Drogenkonsum; bei der Geburt, wenn die Mutter infiziert ist. Tragischerweise haben sich auch viele Menschen in Indien bei der Nutzung von Blutkonserven angesteckt. Es wird vermittelt, dass HIV Infizierte den ansteckenden Virus nicht durch Berührungen oder beim Wasserholen am Brunnen weitergeben können. Es wird gezeigt, dass die Angst vor Ansteckung nicht mit Ignoranz und Ausgrenzung beantwortet werden kann. Viel wichtiger ist der Dialog, der bewusste und offene Umgang mit der Krankheit und den Infizierten. Vielen Menschen wird erst durch die Schauspiele bewusst, was hinter HIV/AIDS tatsächlich steckt und welche Rolle sie vielleicht selbst in dem Leben der Infizierten spielen können. Auch wenn die Theaterstücke einem Spektakel gleichen, an dem alle ihren Spaß haben, gibt es auch nachdenkliche Momente. Auch Tage nach der Aufführung sind die Schauspiele Gesprächsthema im Dorf. Sie gelten als Denkanstoß, die eigene Position zu überdenken, Vorurteile abzubauen und sich für bekannte Betroffene zu engagieren. Toleranz wird im Idealfall zum Handlungsparadigma eines ganzen Dorfes. Denn mit einem gestärkten Zusammenhalt und Fürsorge können die Betroffenen wieder am Leben teilhaben.

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