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Auf der Suche nach der eigenen Identität sind wir im Jugendalter leicht zu beeindrucken. Offensives Marketing des menschlichen Körpers und der ständige Druck, attraktiv zu sein, bringt junge Mädchen an ihre Grenzen. Sie nehmen viel auf sich, indem sie ihr Gesicht mit den verschiedensten Cremes und Pasten einreiben oder ihre Hautfarbe durch Instagram-Filter verändern.

Im heutigen Indien kann eine dunkle Hautfarbe die größte Sünde sein, die ein Mensch begehen kann – egal, wie intelligent, erfolgreich oder empfindsam eine Person ist: mit dunkler Hautfarbe kann sie nie gut genug sein. Den letzten Sommer bin ich gereist und kam gebräunt zurück; die Reaktionen waren widerlich. Skurril ist nur, dass mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung eine dunkle Hautfarbe hat. Wo kommt also diese Besessenheit her?

Die Besessenheit mit Hautfarbe sitzt tief in der indischen Gesellschaft. Trotz der „fortschrittlichen“ städtischen Elite, die sich selbst als modern und liberal bezeichnet, ist Kolorismus (1) noch immer weit verbreitet. Es gibt beispielsweise TV Werbung, die suggeriert, hellhäutige Mädchen bekämen leichter einen Job. Derart beworbene Produkte finden in Südostasien weiterhin reißenden Absatz; und Heiratsanzeigen, die explizit nach hellhäutigen Ehefrauen suchen, sind leider genauso alltäglich wie die aufgehende Sonne.

In Indien ist diese Besessenheit das Ergebnis vom Kolonialismus, an dem das Selbstbewusstsein des Subkontinents zerbrochen ist. Und die Zerstörung geht weiter; in einer Zeit, in der das Potenzial von jungen Frauen nicht daran gemessen wird was sie im Inneren ausmacht, sondern wie hell oder dunkel ihre Haut ist. Außerdem wird durch das starre Kastensystem unterstellt, eine blasse Hautfarbe bedeute bessere Abstammung und einen wohlhabenden Lebensstil. Diese gesellschaftlichen Tendenzen  sind bestimmt toll für den aufdringlichen Multimillionen-Dollar Markt. Aber die Zersetzung der sozialen Struktur und das dadurch entstehende, insbesondere für Frauen unfaire System, ist eine Schande.

Wenn doch nur die gleiche großzügige  Menge an Kritik genutzt würde, um diese gesellschaftlichen Mechanismen zu verurteilen. Wenn doch nur der gleiche Chemie-Genie eingesetzt würde um Grausamkeit zu bekämpfen, anstatt das Melanin in der Haut. Dann wäre die Welt ein sehr viel besserer Ort.

Zum Glück haben Schauspieler*innen wir Nandita Sen sich dafür eingesetzt, diese Überzeugungen zu bekämpfen. Kampagnen wie Dark is Beautiful sind entstanden, und einige Nichtregierungsorganisationen versuchen, Menschen für Diskriminierung bezüglich des Geschlechts oder der Hautfarbe zu sensibilisieren.

Sagt es nochmal, und sagt es laut.

DARK IS BEAUTIFUL.

TEXT Saman Khan,

Assistant Professor Spanish, Amity University Lucknow

 

1: Kolorismus beschreibt hier nicht die Kunstform, sondern ist aus dem englischen Wort „colourism“ übersetzt. Dieses in Indien gebräuchliche Wort beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe.

 

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Youth is a time when we have impressionable minds as we formulate, discover and compose our own identity. In the aftermath of aggressive marketing of the self image in social media and the constant pressure to look desirable, young girls are pushed to limits. In India 2018, being dark skinned can be the biggest sin you have committed. No matter how intelligent, successful, or compassionate you are  – you will never be good enough dark skinned.

Comically enough, more than half of the people in India are actually dark skinned. So why is there this obsession of being light skinned? Young girls put colossal effort in rubbing and scrubbing with turmeric and cream pastes and alter their natural skin tones with versatile Instagram filters. Last summer I travelled and came back with tanned skin. The kind of backlash I got was hilariously disgusting.

India’s obsession with dark skin is widespread and internalized by the society. Despite the „progressive“ urban elite classes claiming to have moved towards modern liberal ideas, colourism exists and is flourishing. For example, TV advertisements of various creams depict a girl easily getting a job if she is light skinned! These products continue to be sold  like hot cakes in South East Asia. Matrimonial ads clearly demanding fair brides only are as common as the sky being blue even today.

In India, colourism is the result of colonialism which has completely shattered the self esteem of the subcontinent. And the damage continues when young girls are not measured in terms of  what potential lies inside them, but how fair or dark their skin is. Additionally, the rigid caste system implies that fairer skin means better lineage and a wealthier lifestyle. These social biases and the cultural white skin fetishism is certainly great for the invasive multi million dollar market. However, the wreckage to the social fabric and the overall unfair system it creates for the womenfolk is a national shame.

If only the same generous quantities of criticism were used to condemn the blackness of hearts, and if only the same chemistry genius was deployed to fight cruelty and harshness, instead of melanin in skin; world (read Indian society) would be a much better place to live in.

On the brighter side, actors like Nandita Sen have spoken up against these biases and created campaigns like Dark Is Beautiful, and several NGO’s are trying to sensitize people to gender and colour discrimination from the moment a child, especially a girl, is born in the family.

So say it again, and say it loud.

DARK IS BEAUTIFUL.

 

TEXT: Saman Khan,

Assistant Professor of Spanish, Amity University Lucknow

 

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