Aufräumen

Mit welchem Klischeé über eine Minderheit würdest du gerne aufräumen? Das haben wir fünf Menschen an unterschiedlichen Orten, mit unterschiedlichen Geschichten gefragt.

Alma aus Mexico

„Vorurteile  haben einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben, gibt es immer noch viele Barrieren zwischen uns und viele von ihnen sind aufgrund von Religion, ,Rasse’, sexueller Orientierung oder aufgrund des Geschlechts. Was mich mit am meisten stört sind die Art und Weisen, mit denen Menschen aufgrund ihres Erscheinungsbildes verurteilt werden. Zum Beispiel können Muslim*innen, wenn sie als solche erkennbar sind, noch nicht einmal so etwas triviales machen wie Einkaufen gehen ohne als Terrorist*innen abgestempelt zu werden. Es ist nicht fair für die Fehler anderer verurteilt zu werden nur weil man dieselbe Religion teilt oder aus dem selben Land kommt. Ich bin eine stolze Mexikanerin und etwas das mich ankotzt ist, wie mein Land von anderen dargestellt wird; Mexikaner*innen werden als Vergewaltiger*innen, Dieb*innen oder Verbrecher*innen angesehen und das ist überhaupt nicht wahr. Natürlich gibt es in Mexiko Verbrecher*innen, aber in welchem ​​Land gibt es keine Kriminalität? Ich bin gegen jedes Vorurteil gegenüber Menschen, die anders aussehen als ich. Du kannst niemanden beurteilen, den oder die du nicht kenns“t, du kannst nicht und du solltest ein Buch nicht anhand seines Covers beurteilen.“


Manuel aus Deutschland

„Ich verbringe gerade mein Auslandssemester in Südafrika. Auch 13 Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen habe ich den Eindruck, dass viele Menschen leider immer noch starke Vorurteile gegenüber den anderen ,Rassen’ im Land haben – und dies gilt für alle Seiten. Sätze wie: „Mit diesen Bussen fahren nur Schwarze, da würde ich nie einsteigen“, oder „Das ist eher ein Club für Weiße, da würde ich bestimmt dumm angesehen“, habe ich schon oft genug gehört. Ich wünsche mir, dass diese Vorurteile gegenüber Minder- bzw. Mehrheiten aufgrund deren Hautfarbe in Südafrika in Zukunft deutlich abnehmen – zum Wohl aller Beteiligten.“

 

Albin aus India

„Am meisten wütend macht mich die Diskriminierung der breiten Gesellschaft gegenüber Trans-Personen. Auch wenn sie oft die passenden Qualifikationen vorweisen, gibt es viele Arbeitgeber*innen, die sich weigern Menschen dieses Geschlechtes einzustellen.“

 

Justine aus England

„Es gibt ein Vorurteil unter den Australier*innen europäischer Abstammung gegenüber den Australier*innen, die seit Ewigkeiten in dem Land leben (Aborigines). Dieses Vorurteil besagt, dass Aborigines faul und unmotiviert sind. Die Ansicht basiert wahrscheinlich auf der Tatsache, dass es für Menschen, die in aboriginalen Gesellschaften leben üblich ist, einen Großteil ihrer Zeit der Gesellschaft und Sozialisation zu widmen und z.B. als Gruppe zusammen zu sitzen. Historisch ist die Kultur der Aborigines eng mit dem Land verbunden, das ihnen Nahrung bietet, und die Menschen haben eine starke spirituelle Verbindung, nicht nur mit dem Land, sondern auch mit den Traditionen ihrer Ahnen*innen. Die Unterschiede zwischen dieser Kultur und der Kultur, auf der die westlichen Gesellschaft des modernen Australien basiert, macht es für Aborigines schwierig sich in die soziale Struktur der doch vor allem westlich geprägten Gesellschaft einzufügen und sich an einen „9-5 Job“ anzupassen. Dieses Vorurteil also, dass Aborigines faul seien, beruht auf Unterschieden in den Kulturen und nicht auf der Fähigkeit der Menschen zu arbeiten. Meiner Meinung nach ist es unfair und unvernünftig zu erwarten, dass sich Menschen einer Gesellschaft anpassen, die sich von den Traditionen ihrer Gesellschaft komplett unterscheidet. Es ist immer noch ein sehr wichtiges Thema in Australien. Nur durch einen Lernprozess und Kompromissbereitschaft beider Kulturen kann es zu einem Gleichgewicht und einem glücklichen Zusammenleben kommen.“

 

Marta aus der Ukraine (lebt seit ihrem 12. Lebensjahr in Portugal)

„Einer Minderheit anzugehören bedeutet nicht automatische einer schwachen Gruppe anzugehören. Auf die eine oder andere Weise geht jede*r durch ihre oder seine persönliche Hölle. Doch als Angehörige einer Minderheit überleben wir nicht nur, wir helfen uns auch gegenseitig glücklich zu sein, füllen das Leben der anderen mit Licht trotz aller Schwierigkeiten. Wir kämpfen nicht mit der Mehrheit, aber mit unseren eigenen Demonstrationen und werden so besser, stärker und weiser. So gesehen sind Minderheiten doch immer die stärkere Seite – wir begreifen, wir helfen ohne zu fragen, wir sehen durch die Seele.“

 

Keine Fotos? – Anmerkung der Redaktion:
Nein, diesmal keine Fotos, das haben sich die Interviewten so gewünscht. Schließlich machen wir viele unserer Vorurteile an Äußerlichkeiten fest. Für eine möglichst vorurteilsfreie Betrachtung der Kommentare besteht das Kaleidoskop diesmal nur aus Texten.

 

INTERVIEW UND ÜBERSERTZUNG: Charlotte Koppe

 

 

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