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Darstellungen von Figuren mit Behinderung sind vor allem in Filmen oft stereotypisch und verstärken bereits bestehende Vorurteile. Der Disney Film „Findet Dorie“ bildet hierzu eine gelungene Ausnahme und könnte als Beispiel für weitere Produktionen dienen.

Der Kinder- und Familienfilm „Findet Dorie“ brachte in den USA den erfolgreichsten Kinostart eines Animationsfilms überhaupt – wahrscheinlich auch, weil die Geschichte an den Klassiker “Findet Nemo” anknüpft. In „Findet Dorie“ macht sich der unter Gedächtnisschwund leidende Doktorfisch Dorie auf den Weg, ihre Eltern zu  suchen.Im Animationsfilm „Findet Dorie“ werden viele Figuren mit einer vermeintlichen körperlichen oder geistigen Behinderung dargestellt. Doch in welcher Art und Weise, und hat der Film das Potenzial Vorurteile abzubauen?

Dorie und ihr Gedächtnisschwund

Dorie, die Hauptfigur des Filmes, leidet an Gedächtnisschwund und ist dadurch sehr vergesslich und tollpatschig. Der Großteil des Films beschäftigt sich mit der Suche nach den Eltern des  Doktorfisches, in dem es immer wieder vorkommt, dass viele andere Fische sich von Dorie gestresst fühlen und Sie sie mit ihrer witzigen, vergesslichen Art aus der Ruhe und dem geregelten Tagesablauf reißt. Der bodenständige Clownfisch Marlin ist teilweise sehr wütend auf sie, da sie innerhalb von Sekunden ihre Pläne und Vorhaben ändert und damit alle anderen Fische in unangenehme und gefährliche Situationen bringt. Er gibt Dorie des öfteren das Gefühl, dass sie nicht gebraucht wird und ihre Krankheit ein Hindernis darstellt. Jedoch wird dies in mehreren Szenen im Film widerlegt, in denen Marlin ihr sagt, dass er sie als Teil der Familie sieht und ihr bei ihrer Suche helfen möchte. Die Krankheit des Doktorfisches wird also ernst genommen und trotz ihrer geistigen Beeinträchtigung wird Dorie als Wesen mit Wünschen und Träumen akzeptiert und respektiert. Zusätzlich begegnet Dorie auf ihrer Reise immer wieder alten Freund*innen und Bekannten, welche sie als eigenständiges Lebewesen sehr schätzen und sie nicht auf ihre Einschränkung reduzieren oder gar ansprechen, sondern absolut normale Konversationen mit ihr führen. Damit rückt ihre Beeinträchtigung in den Hintergrund – Die außerordentliche und rührselige Darstellung verschwindet und es kommt zu einer alltagsnahen Repräsentationsweise, da sich die Geschichte des Films nicht weiter auf die Krankheit der Hauptfigur bezieht, sondern auf die Suche nach Dories Eltern.

Nemo und die anderen

Die Darstellung von Figuren und Charakteren mit Behinderung erfolgt in “Findet Dorie zusätzlich in kleinen Nebenrollen. Nemo, der Seelöwe Gerald, die Eistaucherin Becky und Dories alte Freundin Destiny. Sie alle verfügen über eine körperliche oder geistige Behinderung, welche nicht selten durch das äußere Erscheinungsbild dargestellt wird.

„Die körperliche Einschränkung durch Nemos zu kleine Flosse wird in keiner Szene und vor allem in keinem Dialog des Filmes erwähnt“

Da bis auf Nemo alle Figuren Nebenrollen darstellen, wird der Fokus nicht auf Ihre vermeintliche Behinderung gelegt, jedoch sollte erwähnt werden, dass alle dieser Charaktere einen rein unterhaltenden Gesichtspunkt für die Zuschauer*innen darstellen. Aufgrund dieser auch klar unterhaltenden Aspekte entstehen Stereotype, da geistige und körperliche Behinderungen mit dem Unterhaltungsfaktor gleichgesetzt werden und somit eine Gleichberechtigung im Alltag ausgeschlossen wird. Das wird jedoch durch die Tatsache, dass Nemo nicht nur unterhaltsam, sondern sehr selbstständig dargestellt wird, gemindert. Die körperliche Einschränkung durch Nemos zu kleine Flosse wird in keiner Szene und vor allem in keinem Dialog des Filmes erwähnt.

Ein gutes Beispiel?

Der Film verdeutlicht, auf unsere Gesellschaft übertragen, dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht auf Gleichberechtigung haben und sie trotz einer vermeintlichen Einschränkung Wünsche, Träume und Ziele besitzen und durchaus ein selbstbestimmtes Leben führen können. Auch wenn das Thema der Behinderung oder Erkrankung nicht explizit thematisiert wird, wird anhand von Dorie und den Nebenrollen eine gewisse Vielfältigkeit der Lebewesen verdeutlicht und erkennbar gemacht, dass alle das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

„Die viel geforderte Umsetzung von Darsteller*innen mit Behinderung durch Nebenrollen, ohne das Thema Behinderung an sich in der Vordergrund zu stellen, ist eindeutig gelungen“

Trotz alledem ist wichtig, dass durch diesen Film keine Stereotype bezüglich Menschen mit Behinderung entstehen sollen, aber durch die unterhaltsame Art der genannten Nebenrollen und auch durch Dorie selbst, eine Abwertung oder Diskriminierung dieser Personen erstehen könnte. Jedoch wird dies durch die gelungene Art der Darstellung des Clownfisches Nemo gemindert, da dieser in keinster Weise auf seine Behinderung reduziert und somit nicht aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen wird. Es wird vermittelt, dass keine Behinderung eines Menschen ihn von den anderen Lebewesen abspaltet und auch dieser ein normaler Teil der Gesellschaft sein muss. Die viel geforderte Umsetzung von Darsteller*innen mit Behinderung durch Nebenrollen, ohne das Thema Behinderung an sich in der Vordergrund zu stellen, ist eindeutig gelungen. Trotz der vereinzelten Szenen, in denen die Hauptfigur bemitleidet wird ist das Thema des “Anders-seins” sehr positiv umgesetzt worden

Ein alleinerziehender Vater, mehrere Figuren mit Behinderungen, wenig bemitleidende Szenen., Akzeptanz und Toleranz der Gesellschaft wurden im Animationsfilm „Findet Dorie“ nahezu perfekt umgesetzt.

Kreatives Benedikt Ehrstein

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