Dieser Artikel wurde nach bestem Wissen aus dem Englischen übersetzt, jedoch ist ein gewisser Qualitätsverlust nie zu vermeiden. Für alle, die gut Englisch sprechen, hier der Link zur Originalversion. 

Romeo – Wahre Liebe – Italien: Daran denkt man wohl in Deutschland als erstes, wenn der Name dieses bekannten Shakespeare-Charakters fällt. In einem anderen Teil der Welt, genauer gesagt im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh, wird der Name ziemlich gegensätzliche Gedanken provozieren. Um ein Auge auf „eve-teasing“[1] zu werfen und „für die Sicherheit junger Frauen zu sorgen“, hat die Regierung von Uttar Pradesh sogenannte anti-Romeo Einheiten gebildet. Sie sind Teil der Polizei, voll ausgerüstet und meist in Zweierteams um Frauen-Colleges und -Schulen unterwegs. Die Schutztruppen sollen Täter identifizieren, schnappen und bestrafen – dabei haben sie alle notwendigen Befugnisse.

Vor kurzem behauptete die regierende Partei BJP (Bhartiya Janta Party), dass muslimische Männer probieren würden hinduistische Frauen zu heiraten, um sie mit dem sogenannten „Love Jihad“ zur Konvertierung zu bewegen. Das führte zu einer Polarisierung in Uttar Pradesh, wo die Stimmung sowieso schon angespannt ist und es immer wieder zu Ausschreitungen zwischen den beiden großen Religionsgemeinschaften kommt. Einige Medien, die Opposition und Aktivist*innen nennen den „Love Jihad“ völlig eine unbegründete religiöse Propaganda.

Interessanterweise wurden kurz nach der Vorstellung der anti-Romeo Teams einige Paare und Frauen im ganzen Bundesstaat brutal zusammengeschlagen – selbst verheiratete Paare und Geschwister wurden mit Verdacht auf eine unerlaubte Affäre festgehalten. Nachrichten und Videos von fliehenden Gruppen Jugendlicher machten im Fernsehen die Runde, und besorgte Angehörige mussten Heiratsurkunden zur Polizei bringen, um ihre Verwandten aus dem Gewahrsam zu bekommen.

Was mich wundert: Warum liegt der Fokus immer auf dem Retten der Frauen und nicht auf einer Veränderung der Männer? Die Existenz der anti-Romeo Einheiten bestätigt wieder einmal die Unfähigkeit der staatlichen Organe, die Sicherheit und Freizügigkeit von Frauen als gleichwertige Teile der Gesellschaft zu sichern. Im Gegenteil, sie bestätigen das soziale Konstrukt der weiblichen Ehre, die unbedingt und notfalls mit Gewalt verteidigt werden muss. Es bewegt Frauen zur Selbstjustiz, was die Werte einer freien und demokratischen Gesellschaft untergräbt. Vorurteile und Intoleranz bilden den Nährboden für die unangebrachte Aggression dieser Einheiten. Brauchen Frauen wirklich immer mehr von diesen „Hilfstruppen“ oder strikte und schnelle Strafverfolgung von Sexualstraftätern? Dieses Level von moralischer Überwachung schützt Frauen nicht, es beschränkt lediglich ihre Grundrechte auf freie Bewegung und freie Partnerwahl. Die anti-Romeo Einheiten werden keinen Zweck erfüllen, solange sich repressive gesellschaftliche Normen gegen Frauen nicht ändern. Patriarchalische Vorstellungen, in denen die „Ehre“ einer Familie auf den Schultern junger Frauen lastet, tun ihr übriges. Solange Frauen als Bürgerinnen zweiter Klasse behandelt werden, wird meine Assoziationskette eher Romeo.

TEXT Saman Khan ÜBERSETZUNG Benjamin Lang

A15-Saman

[1] Euphemismus für sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit

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