KOMMENTAR

Inklusion – ein Wort, bei dem vermutlich ein Großteil meiner früheren Mitstudierenden (Soziale Arbeit) mit den Augen rollen würde. Ein Wort, hinter dem so viele Meinungen und Interpretationen, stecken – gerade in der praktischen Umsetzung.

Durch verschiedene Initiativen und politische Aktionen initiierten Menschen mit einer Behinderung zusammen mit Angehörigen die Inklusionsbewegung. Im Vordergrund stand dabei der Kampf um Selbstbestimmung, die Anerkennung als Bürger*in, soziale Gerechtigkeit sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Gleichheit vor dem Gesetz. Erste große Erfolge waren die Einführung der Schulpflicht aller Kinder – mit und ohne Behinderung – sowie das Recht auf Erziehung und Bildung in Regeleinrichtungen.

„Jeder Mensch soll sich verantwortlich fühlen Diskriminierung und Benachteiligung keinen Platz zu geben.“

Wie so vieles basiert Inklusion auf der Vorstellung einer offenen Gesellschaft, in der jeder Mensch über die gleichen Rechte verfügt und als vollwertiges Mitglied aufgenommen wird. Hinzu kommt das Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft und auf ein selbstbestimmtes Leben. Jeder Mensch soll sich verantwortlich fühlen Diskriminierung und Benachteiligung keinen Platz zu geben. Weiterhin stellt die Akzeptanz und Toleranz von Individualität und Vielfältigkeit sowie das Bestehen von unterschiedlichen Lebensplänen und -entwürfen einen ebenso wichtigen Punkt der Inklusion dar.

„Jedem Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, soll es ermöglicht werden sich frei zu entfalten und das zu unternehmen, worauf er oder sie Lust hat.“

In der Praxis gibt es viele verschiedene Wege Inklusion umzusetzen.  Vor allem für Menschen mit einer Behinderung spielt die Barrierefreiheit eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt steht hierbei der freie Zugang zu kulturellen und sozialen Räumen wie Bildungseinrichtungen, dem eigenen Arbeitsplatz oder anderen Dienstleistungsanbieter*innen. Jedem Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, soll es ermöglicht werden sich frei zu entfalten und das zu unternehmen, worauf er oder sie Lust hat. Zudem sollen die Zugänge zu Regelschulen und dem ersten Arbeitsmarkt offen stehen für alle. Wenn einem Menschen diese aufgrund einer Behinderung oder einer anderen Eigenschaft verwehrt wird, ist das Diskriminierung.

In der Theorie klingt das super. Meiner Meinung nach ist so eine eben beschriebene Gesellschaft jedoch eine Utopie, ein Wunschdenken. Das alles hört sich für mich nach zwanghaften Versuchen an ein schlechtes Gewissen zu begleichen. Ich finde nicht, dass Inklusion bedeutet jedes Kind mit einer Behinderung unbedingt in eine Regelschule zu stecken. Denn auch ein Mensch ohne Behinderung ist nicht in jedem Bereich des Lebens inkludiert.

„Die Förderung von Beratungsstellen von und für Menschen mit einer Behinderung – das bedeutet für mich Inklusion.“

Vielmehr steht für mich der eigene Wille und die Aktivität der Menschen mit Behinderungen im Vordergrund. Nicht das Öffnen von Vereinen oder Einrichtungen für Menschen mit Einschränkungen, sondern ihnen die Möglichkeiten zu geben eigene Vereine gründen zu können, um ihre Expertise einfließen zu lassen. Die Förderung von Beratungsstellen von und für Menschen mit einer Behinderung – das bedeutet für mich Inklusion. Denn betroffene Menschen wissen wohl am besten über ihre Situationen und Belange Bescheid. Hierzu möchte ich erwähnen, dass sich Inklusion nicht nur auf Menschen mit einer Behinderung beziehen sollte, sondern auf alle Gruppen, die von Ausgrenzung oder Benachteiligung betroffen sind. Beispielsweise Menschen mit seelischen oder psychischen Behinderungen, alleinerziehende Frauen und Männer, alte sowie geflüchtete Menschen.

Über all diese Bemühungen hinaus muss ein Bewusstsein entstehen, dass eine Gesellschaft Raum für viele verschiedene Menschen bereitstellen sollte. Denn wenn Andersartigkeit nichts Ungewöhnliches mehr wäre, wenn es normal wäre verschieden zu sein, dann würde Diskriminierung und Ausgrenzung doch erst gar nicht entstehen und somit keine Rolle mehr spielen, oder?

TEXT Anna Hogrebe

anna

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