Filmkritik Mit der Filmbiografie „Wüstenblume“ erzählt Sherry Hormann die außergewöhnliche Geschichte des Models Waris Dirie aus Somalia. Zu Beginn des Films kann ich eine junge Frau sehen, verschleiert in bunten Tüchern, die im Gegensatz zu dem Bild des großen, liberalen Londons verloren und konträr auf mich wirkt. Durch Rückblicke in die Vergangenheit des Mädchens erfahre ich, dass Waris als Tochter einer Nomadenfamilie in der Wüste aufwuchs. Schon mit 13 Jahren soll sie mit einem älteren Mann verheiratet werden, doch sie flieht von Zuhause und gelangt mit Hilfe von Verwandten nach London. Zurück in der Gegenwart hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser bis sie von einem Fotografen als Model entdeckt wird. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, macht sie sich ihre Berühmtheit zu Nutze und veröffentlicht ihre Kindheitsgeschichte: als kleines Mädchen wurde sie Opfer einer weiblichen Genitalverstümmelung – etwas, das in ihrer Familie auf einer langen Tradition beruht.

Ganz besonders ist der Moment, in dem Waris das erste Mal selbstbewusst und stolz auf den Laufsteg tritt. In diesem spiegelt sich für mich die Quintessenz des Films wieder: die Persönlichkeitsentwicklung von Waris Dirie. Von einem zaghaften Mädchen wandelt sie sich zu einer selbstbewussten Frau, die mit einer starken Stimme den Kampf gegen Genitalverstümmelung antritt. Der Film endet mit ihrer berühmten Rede vor der UN-Generalversammlung. Als erste Frau macht Waris Dirie die Weltöffentlichkeit auf dieses grausame Ritual aufmerksam, das daraufhin in vielen Ländern offiziell verboten wird. Auch europäische Länder folgen Ihrem Beispiel. Waris Dirie engagierte sich als UN-Sonderbotschafterin und gründete die Hilfsorganisation „desert flower foundation“, um jungen Mädchen ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Text Luisa Hogrebe