„I raise my arms to the sky“

14. Februar 2017: Vor dem Brandenburger Tor versammeln sich tausende Menschen um bei Sonnenuntergang gemeinsam zu tanzen. Im südafrikanischen Bryanston singt eine Schulgemeinschaft die „Break the Chain“-Hymne und formt dazu aus farbigen Papieren die Nationalflagge – die sie um ein kleines pinkes Herz ergänzt haben. In Nepal tragen die jungen DemonstrantInnen sogar bedruckte T-Shirts mit der Aufschrift „Safe Cities for Women“.

Zum fünften Mal haben sich im Rahmen der One Billion Rising Kampagne am und um den Valentinstag tausende Menschen weltweit für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichberechtigung engagiert. Die Kampagne entstand als Idee der New Yorker Künstlerin Eve Ensler Ende des Jahres 2012. Sie war eine Reaktion auf eine UN-Statistik nach der jede dritte Frau auf dieser Erde in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt wird. Das entspricht bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen mehr als 1 Milliarden (One Billion) Frauen!

Was ursprünglich als Tanz-Flashmob gedacht war, bekam viel mediale Aufmerksamkeit, ist aus der Reihe getanzt, gewachsen: mittlerweile finden über das Jahr verteilt immer wieder Tanzaktionen, Proteste und Info-Veranstaltungen statt – und jedeR ist eingeladen mitzumachen!

http://www.onebillionrising.org

https://www.youtube.com/watch?v=fL5N8rSy4CU

 

“Nein zur Miete-einen-Bauch-Industrie”

Kaum vorstellbar, wenn der größte Traum , ein Kind in die Welt zu setzen, zerplatzt. Betroffene Paare schöpfen jegliche Möglichkeiten aus, um den Traum der eigenen Familie umzusetzen. Doch welche Grenzen sollten den Paaren gesetzt werden? Wann schaden sie mit ihrem Kinderwunsch anderen Frauen?

Seit 2002 zählt Indien zu den Ländern, in dem eine gesetzlich legale Leihmutterschaftsindustrie boomt. Frauen vermieten ihren Bauch, um anderen Paaren das größte Geschenk in die Wiege zu legen. Zahlreiche gebärfreudige Frauen, englischsprechende hochqualifizierte ÄrztInnen und ein ansehnlicher Preis haben besonders die AusländerInnen angelockt. Bedenklich ist jedoch, dass ein solches Arbeitsverhältnis häufig von Inderinnen eingegangen wird, um damit einen Weg aus ihrer schlechten sozioökonomischen Lebenslagen zu finden. Umgerechnet zahlen die Paare für das bestellte Baby $18,000 – 30,000. Nur knappe $8,000 gehen davon an die Leihmutter.  

Liberale Gesetze, ungeklärte Rechte der Leihmütter und fehlende Information über mögliche Komplikationen dominieren in der „Miete-einen-Bauch-Industrie“. Äußerungen der Kritik, dass die Frauen werden durch solche Arbeitsverhältnisse ausgebeutet werden, wurden lauter. Die Regierung musste handeln. Am 21 November 2016 führte das Familien- und Gesundheitsministerium einen Gesetzesentwurf ein, der kommerzielle Leihmutterschaft verbieten soll. Weiterhin legal soll eine altruistische Form bleiben, unter einigen Bedingungen: Nur unfruchtbare, kinderlose Ehepartner haben einmalig die Chance eine Leihmutterschaft in Anspruch zu nehmen. Für AusländerInnen gilt diese Möglichkeit nicht. Die Leihmutter sollte eine nähere Verwandte und im Alter von 26-50 sein. Außerdem darf sie sich nicht aus ökonomischen Gründen für die die Schwangerschaft entscheiden. Denn eine Bezahlung gibt es nicht.

Laut Kritikern des Gesetzesentwurfs ist die Leihmutterschaftsindustrie zu groß und die Zeit schon abgelaufen, um diesen Handel durch ein Verbot zu unterbinden. Stattdessen wird vermutet, dass sich diese Industrie in Bereiche der Illegalität bewegen wird. Sie fordern strengere Gesetze und Regulierungen.

Am 11. Juli wird sich das Parlament für oder gegen den Gesetzentwurf entscheiden. Egal wie dieses Ergebnis ausfallen wird, eine gesellschaftliche Debatte ist erblüht und der indische Staat setzt sich für die Rechte der Frauen ein.

Text von Paula Heidemeyer und Luisa Hogrebe