Frauenrecht auf den Philippinen

Philippinen, d.h. Palmenstrände, türkisblaues Wasser und Umweltkatastrophen. Dabei könnte der Inselstaat genauso gut für seine emanzipierten Frauen bekannt sein. Geheimrezept hierfür ist wohl vor allem die Großfamilie, in der man sich gegenseitig unterstützt. Aber auch der philippinische Staat fördert die Gleichberechtigung von Frauen. Und das hat Geschichte. Schließlich hatten die Philippinen schon 1986 ein weibliches Staatsoberhaupt. 

TEXT Cecile Monton Speckmaier

ÜBERSETZUNG Paula Heidemeyer

 

Die Rolle philippinischer Frauen hat sich im Laufe der Zeit bedeutsam entwickelt. Vor der spanischen Ära waren Frauen vor allem damit beauftragt den Haushalt zu führen und die Kinder zu erziehen. Während der Revolution gelang es ihnen die geschlechtsspezifischen Rollen zu erweitern, in dem sie als Medizinerinnen, Spioninnen oder geheime Geldbeschafferinnen tätig waren, während ihre Männer gegen die spanische Kolonialherrschaft kämpften. Eine der nennenswerten Heldinnen dieser Zeit war Gabriela Silang, die nach der Ermordung ihres Ehemanns die Führung der Rebellengruppen übernahm. Zwei Jahrhunderte später, in den 80ern, wurde Corazon Aquino zur ersten Präsidentin der Philippinen – sie warb um das Amt nachdem ihr Mann, ein populärer Oppositionssenator, bei einem Anschlag während der Regierungszeit des diktatorischen Präsidenten Marcos ums Leben gekommen war.

Tatsächlich sind viele Frauen, die Brotverdienerinnen ihrer Familien

Der Wechsel von einer unterstützenden Rolle zu einer führenden Rolle, ist heutzutage nicht unüblich. Tatsächlich sind viele Frauen die Brotverdienerinnen ihrer Familien. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen vor allem bei Jobs in der Gastgewerbebranche, im Einzelhandel und im Bildungswesen dominieren. Außerdem hat der bessere Zugang zu guter Bildung ihnen mehr Möglichkeiten im handwerklichen und industriellen Bereich geschaffen. Auf den Philippinen ist die Alphabetisierungsrate erwachsener Frauen (96,7%) etwas höher, als die erwachsener Männer (96%). Doch obwohl im Grunde beide Geschlechter funktional alphabetisiert sind, führen die Männer noch deutlich im Bereich der Erwerbstätigkeit: für Männer beträgt die Beschäftigungsrate ca. 80%, für Frauen nur ca. 50%. Im Bereich der Familienunternehmen sind allerdings etwas mehr als die Hälfte der 4,3 Millionen unbezahlten Arbeitskräfte Frauen.

Die Möglichkeiten für Frauen und Männer mögen noch nicht die gleichen sein, doch die institutionelle Förderung von Frauen, ist auf den Philippinen seit Mitte der 70er Jahre auf dem Vormarsch. So wurde die staatliche Behörde „Philippinische Kommission für Frauen“ ins Leben gerufen um Frauen in ökonomische und soziokulturelle Programme des Staats zu integrieren. Es wurde erfolgreich in die Kampagne Gender and Development investiert, bei der Regierungsbeamte und –angestellte dazu trainiert wurden Gleichberechtigung zu fördern. Und bis heute profitieren viele von der Magna Carta of Women oder Bill of Rights of Filippino Women, eine Menschenrechtskonvention, die die Rechte von Frauen anerkennt, schützt, erfüllt und fördert und so der Diskriminierung von Frauen, vor allem aus marginalisierten Gruppen, entgegen wirken soll.

Meine Erfahrungen als eine Vollzeit-Regierungsangestellte, als Ehefrau und Mutter von zwei Kindern sind beides – erfreulich und herausfordernd.

Mittlerweile arbeiten viele Frauen für die Regierung und besetzen wählbare Positionen. Meine Erfahrungen als eine Vollzeit-Regierungsangestellte, als Ehefrau und Mutter von zwei Kindern sind beides – erfreulich und herausfordernd. Doch ich muss sagen, angesichts der Unterstützung, die Frauen auf den Philippinen zur Verfügung steht, ist es möglich beides zu haben, eine Karriere und eine Familie. Kindermädchen anzustellen, die mit bei der Familie wohnen und meistens entfernte Verwandte sind, ist nicht unüblich. Und wenn Großeltern bei der Kinderbetreuung helfen, ist das ein Segen, vor allem für junge Eltern mit vollen Stellen. Hier, auf den Philippinen, ist es nicht schwer emanzipierte Frauen kennen zu lernen, in ganz verschiedenen Rollen – sie sind alleinerziehende Mütter, die mit Leichtigkeit ihre Karriere und die Schulevents ihrer Kinder unter einen Hut kriegen. Oder die Frauen, die Business und Haushalt gleichzeitig managen, vielleicht sogar eine Geschäftsleitung übernommen haben und trotzdem noch die Hausarbeit erledigen. Oder die arbeitenden Frauen, die weit weg von zu Hause leben, nur um Ehemann und Kinder plus die Großfamilie zu unterstützen. Oder die weit gereisten, alleinstehenden Frauen, getrieben bei ihren Bestrebungen und Wünschen. Und für die Glücklichen, die einen Partner haben, der die Familie finanziell unterstützen kann, gibt es immer noch die Option zu Hause zu bleiben oder hier und da einen Teilzeitjob zu übernehmen für die persönliche Entwicklung.

Wir müssen akzeptieren, dass es keine Superfrau gibt.

Kurz: Wenn es um einen Ausgleich zwischen Karriere und Beruf geht, müssen wir als erstes akzeptieren, dass es keine Superfrau gibt. Wir lernen Prioritäten zu setzten, machen Kompromisse und nehmen jede mögliche Unterstützung unserer Familien an. Und ganz gleich für welche Rolle wir uns entscheiden, ob es die unterstützende oder die führende Rolle ist, am Ende kommt es darauf an, dass wir mit den Entscheidungen, die wir getroffen haben, glücklich sind.

 

Cecille Monton Speckmaier ist Chemie-Bachelor-Absolventin der Silliman University in Dumaguete City (Philippinen) und hat ihren Master in Nahrungsmittelsicherheit an der Wageningen Universität in den Niederlanden absolviert. In ihrer beruflichen Laufbahn war sie hauptsächlich für das „Institut für Wissenschaft und Technik“ der philippinischen Regierung tätig. Hier arbeitete sie als Chemikerin in dem Labor für Lebensmittelanalytik und war gleichzeitig Projekt-Managerin für das Lebensmittelsicherheits-Programm.  Sie ist mit Dieter Speckmaier verheiratet, der auf den Philippinen für eine von Deutschland mitfinanzierte NGO arbeitet. Cecile ist momentan hauptsächlich zu Hause in Davao City, wo sie sich mit der Hilfe von Nannies um die beiden gemeinsamen Kinder kümmert und gleichzeitig mit ihren Eltern zusammen für den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie verantwortlich ist. Von Zeit zu Zeit nimmt sie auch Teilzeit-Jobs an, wie zum Beispiel Training und Beratung über Systeme für das Management von Lebensmittelsicherheit in Nahrungsmittelunternehmen.