Frauenrecht in Deutschland

Frauen, die nicht die gleichen Chancen haben, die unterdrückt werden – das verbinden wir vor allem mit dem Globalen Süden. Mit Indien oder der arabischen Halbinsel. Doch wie sieht es eigentlich bei uns aus? Ist die deutsche Gesellschaft im Bezug auf Frauenrechte etwa das perfekte Vorbild? Christa Friedl aus Lünen schreibt über ihre Erfahrungen als Frau, Ehefrau und Mutter.

TEXT Christa Friedl

 

In meiner Generation – ich bin jetzt 65 Jahre alt – war es noch üblich, dass Mädchen im Haushalt helfen mussten und Jungen überhaupt nicht. Es gab die klare Struktur: Frauen sind für Haushalt und Kinder zuständig, Männer für das Geldverdienen. Auch vor dreißig Jahren blieben die Frauen nach der Geburt zu Hause. Und obwohl sich in der letzten Zeit einiges getan hat, sind Frauen noch heute verstärkt für Haushalt und Kinder zuständig.

Viele Frauen würden sicher gerne mehr arbeiten

Als meine Kinder geboren wurden, habe ich versucht weiter Vollzeit zu arbeiten (ich hatte einen Mann, der mir bei der Hausarbeit und den Kindern zur Hand ging), musste dann aber doch auf Teilzeit gehen, da die Kinder sonst nicht versorgt gewesen wären. Mein Mann konnte seine Arbeitszeit nicht reduzieren.

Ich habe festgestellt, dass auch heute viele jüngere Frauen nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleiben oder nur eine Teilzeit-Stelle haben. Viele würden vermutlich gerne mehr arbeiten, aber die immer noch eingeschränkten Möglichkeiten zur Vereinbarung von Familie und Beruf verhindern dies häufig. Gleichzeitig gibt es auch immer noch ArbeitgeberInnen, die den Männern (obwohl sie es möchten) nicht die Möglichkeit der Teilzeit anbieten. Im Haushalt werden immer noch zwei Drittel der Arbeit von der Frau übernommen. In meiner Generation kommt auch noch dazu, dass wir Frauen sehr häufig die Betreuung und Versorgung von unseren eigenen Eltern mit übernehmen mussten, und das heißt eben auch oft: weniger arbeiten um Zeit dafür zu haben.

Männer verdienen im Jahr ca. drei Monatsgehälter mehr

Ich habe aber auch festgestellt, dass Gleichberechtigung von Mann und Frau viel mit der entsprechenden Bildungsschicht zu tun hat. Während in der Mittelschicht viele Männer ihre Frauen zumindest zum Teil unterstützen, ist das in der bildungsferneren Schicht fast nie der Fall. Aber gerade in niedrigeren sozialen Schichten ist die unterschiedliche Bezahlung auch extremer.

Natürlich gibt es dieses Phänomen auch in den Berufen der Mittelschicht. Der Equal Pay Day 2017 hat diesen März gezeigt, dass Frauen im Vergleich zu Männern immer noch 77 Tage des Jahres quasi umsonst arbeiten. Viele Frauen sind immer noch nicht in der Lage mit ihrem monatlichen Einkommen ihren unmittelbaren Bedarf zu decken und können auch nicht für ihre Zukunft vorsorgen! Gerade in meiner Generation ist es für Frauen – vor allem wenn sie alleinstehend sind oder aber zwischenzeitlich nicht gearbeitet haben – sehr schwer, mit ihrer geringen Rente klar zu kommen.

Nicht nur in den sogenannten Entwicklungsländern werden Frauen ungerecht behandelt, sondern auch in Deutschland muss noch sehr viel getan werden, damit Frauen finanziell unabhängig vom Einkommen ihres Partners, der Familie oder staatlichen Leistungen sind.