Feminismus in Online-Medien und Serien

Feminismus. Was bedeutet das heute eigentlich? So manch eineR mag noch immer das Bild weggeworfener BH’s vor Augen haben, andere haben Feminismus in der heutige Zeit als irrelevant abgeschrieben. „Postfeminismus“, eine Ära nach der eigentlichen Bewegung? Was viele jedoch nicht wahrnehmen, ist die entstehende und sich entwickelnde Rolle feministischer Ideale in Medien. Nicht nur die sogenannten Neuen Medien, wie das Internet, auch die klassischen Filme und Serien vertreten diese Werte; ebenso wie Medien die in den Zwischenräumen verschwimmen. Online Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime zeigen immer bessere Vorschläge für Konzepte, die mindestens in Ansätzen auf Feminismus basieren oder diesen repräsentieren.

Beginnen wir jedoch erst einmal mit der eigentlichen Definition. Feminismus war nie, ist nicht und wird es auch nie sein: einheitlich. Nicht nur auf ökonomischer Basis (neoliberalistisch vs. marxistisch, um einmal Extrembeispiele zu nennen), auch auf gesellschaftliche Probleme bezogen unterscheiden sich die Ansätze. Ein in letzter Zeit immer auffälliger werdender Punkt, und der für mich persönlich wichtigste Aspekt, ist Intersektionalität. Das bedeutet, dass der sogenannte „White Feminism“ – der hauptsächlich für weiße, heterosexuelle Frauen aus der Mittelklasse einsteht und auch nur ihre Perspektive berücksichtigt – ersetzt und erweitert wird. „Intersectional Feminism“, um bei den englischen Begrifflichkeiten zu bleiben, repräsentiert also endlich auch farbige Frauen aus verschiedenen ethnischen Hintergründen, die LGBTQ+ Community, transsexuelle Frauen, etc.

Bedeutet die Veränderung der wissenschaftlichen und kulturellen Definition also auch eine andere Darstellung in Medien? Betrachtet man soziale Medien, ist es wichtig dies auf internationaler Ebene zu tun. Gerade Tumblr, Twitter und Youtube bieten große feministische Plattformen. Geschriebene und gefilmte Blogs zeigen „echten“ Feminismus, gelebt in der Realität; ein Beispiel: Gaby Dunn (Youtube: Just Between Us).

Weiterhin hat sich die Repräsentation von Feminismus und Frauen insbesondere im Hinblick auf (westliche) Serien im Laufe der letzten Jahre stark weiterentwickelt. Auf ein konsumorientiertes, von weißen, heterosexuellen Frauen dominiertes Sex and the City folgten immer mehr Serien mit weiblichen Protagonistinnen und mehr Diversität. Mindy Lahiri (Mindy Kaling) versucht in The Mindy Project ihre indischen Wurzeln mit westlichen Werten und ihrer Karriere zu verbinden, Jane the Virgin thematisiert mit Jane Villanueva (Gina Rodriguez) das Konzept der Jungfräulichkeit und gleichzeitig so viele andere feministische Problematiken, Rachel Bloom singt sich als Rebecca Bunch in Crazy Ex-Girlfriend durch Vorurteile gegenüber Frauen, Shonda Rhimes schafft in ihren Produktionen wie Grey’s Anatomy, Scandal, oder How To Get Away With Murder eine immer größer werdende Breite an Diversität in allen Bereichen, und Brooklyn Nine-Nine spricht mit unter anderem zwei Latina Detektivinnen all diese problematischen Thematiken direkt an.

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Jane the Virgin

Wir sind noch lange an keinem Ziel angelangt. Noch immer wird Hollywood dominiert von weißen Männern. Aber zumindest in der Serienlandschaft geht es langsam aber sicher einen Schritt in die richtige Richtung. Soziale Medien geben den Weg vor, laute Stimmen, insbesondere aus der LGBTQ+ Community, geben den Ton an. Jetzt müssen wir es nur noch schaffen dieser Repräsentation gerecht zu werden, nicht aufzugeben, kritisch zu denken und uns immer weiter zu informieren. Feminismus ist immer eine persönliche Erfahrung und ein Lernprozess. Nicht jeder fühlt sich durch einen Charakter auf die gleiche Weise repräsentiert und wir müssen lernen, auf die Stimmen zu hören, die uns helfen können zu verstehen. „I know my value“, erklärt Peggy Carter in der Marvel Serie „Agent Carter”. Und an diese Einstellung müssen sich gerade viele Männer noch gewöhnen.

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The Mindy Project

Schaut doch mal auf dem Youtube Channel „Just between us“ vorbei!

TEXT Nele Grosch