Liebe Leserinnen, Liebe Leser!

Habt ihr Euch schon einmal gefragt, warum es sich nicht schickt, als Frau breitbeinig im Bus zu sitzen, während sich Männer ohne Bedenken bequem hinsetzen können? Warum immer und überall diskutiert wird, ob eine Frau zu viel oder zu wenig anhat, während es bei Männern kaum eine Rolle spielt? Warum sich bei einem Cafébesuch immer der Mann dazu verpflichtet fühlt die gemeinsame Rechnung zu begleichen und nicht einfach die Person zahlt, die mehr Geld hat?

Natürlich gibt es ganz offensichtliche Unterschiede zwischen Mann und Frau – biologische. Doch rechtfertigen diese Unterschiede eine ungleiche Behandlung? In den meisten Gesellschaften dieser Welt werden Menschen spätestens mit ihrer Geburt in ein binäres Konzept eingeteilt. Männlich oder weiblich, Blau oder Rosa, Spielzeugbagger oder Puppenhaus. Das prägt uns. Hinter dieser Einteilung steckt immer eine ganze Traube von Erwartungen, mit denen wir erzogen werden und die wir verinnerlichen.

Wir können uns in diesen vorgegebenen Rollen durchaus wohl fühlen – jedoch schränken sie auch erheblich ein. Gerade Frauen müssen sich immer wieder dem männlichen Geschlecht unterordnen. Dieses Phänomen wurde nicht etwa erst von der heutigen Gesellschaft erfunden, sondern hat eine lange Geschichte und Tradition, was es einfach macht, die Einteilung zu naturalisieren. Eine Einteilung, die sich in Deutschland durch einen geschlechterbedingten Lohnunterschied von immerhin 5,5% niederschlägt – bei gleichen Bedingungen (d.h. gleiches Alter, gleich viel Erfahrungen, gleicher Arbeitgeber)! Oder dadurch, dass Frauen in der Schweiz erst seit 1971 und Frauen in Saudi-Arabien erst seit Ende 2015 wählen dürfen. Außerdem wird es Frauen oft deutlich schwerer gemacht, sich scheiden zu lassen beziehungsweise nach der Scheidung ein eigenständiges Leben zu führen – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Bilder einer extremen Geschlechterrollenverteilung (dominierender Mann, unterworfene Frau), haben wir vor allem dann im Kopf, wenn wir an den Globalen Süden denken. Doch mit diesem Stereotyp werden wir der komplexen Realität nicht gerecht.

In dieser Ausgabe lassen wir ganz verschiedene (Frauen-)Stimmen zu Wort kommen, um ein pluralistisches Bild von feministischen Perspektiven und Aktivitäten zu skizzieren. Denn die Frauenbewegung ist weltweit, bunt und vielfältig.

Mithilfe unserer AutorInnen möchten wir mit diesem Heft einen Beitrag dazu leisten, der männlichen Vormachtstellung in der Gesellschaft entgegenzuwirken – für ein glücklicheres Zusammenleben von Frauen und Männern. Wir möchten Euch für das Thema sensibilisieren, Euch inspirieren. Wir möchten uns und Euch dazu motivieren, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren und sich den internalisierten gesellschaftlichen Mustern bewusster zu werden, ja sie sogar zu dekonstruieren. Denn: Kultur formt zwar uns Menschen, aber Kultur ist auch menschengemacht.

Euer Redaktions-Team
Hannah, Fenja, Felix, Luisa, Ben und Paula