Drei Komma acht Millionen Klicks auf Youtube und Artikel in der New York Times oder dem britischen Guardian. Dafür sorgte Sofia Ashraf mit ihrem Rap Song „Kodaikanal Won’t“. Die Rapperin und Aktivistin aus Tamil Nadu schrieb einen neuen Text für das Lied „Anaconda“ von Nicki Minaj und rettete das Lied damit wenigstens textlich. Die Musik bleibt Geschmackssache. Der neue Text richtet sich dabei gegen den Weltkonzern Unilever, der auch für den Deutschen Markt viele Kosmetik- und Tütenprodukte herstellt.

Unilevers Tochtergesellschaft Hindustan Unilever leitete eine Thermometerfabrik in Kodaikanal, einer Stadt in Tamil Nadu, Südindien. Nachdem Greenpeace und andere Organisationen auf Missstände bei der Quecksilberentsorgung und Belastung für die MitarbeiterInnen aufmerksam machten, wurde die Fabrik 2001 geschlossen. Unilever gab zu, tonnenweise quecksilberhaltiges Glas an nahe Schrotthändler verkauft zu haben. Die Angestellten fordern seitdem Wiedergutmachung, doch bis jetzt fechtet Unilever die Forderungen ehemaliger Fabrikbeschäftigter an, die beklagen, dass ihre Gesundheit massiv durch die Arbeit beeinträchtigt wurde und das giftige Quecksilber etliche Tode verursacht hat. Ob Unilever für die Gesundheitsprobleme der ArbeiterInnen einstehen muss, wird noch vor dem Oberlandesgericht „Madras High Court“ entschieden.

PETITION UNTERZEICHNEN

Im Juli 2015 veröffentlichte Sofia Ashraf zusammen mit der lokalen NGO jhatkaa ihren fordernden Song, was zu großer internationaler Medienresonanz führte. Die junge Rapperin kritisiert, dass Unilever der Verantwortung gegenüber seinen Angestellten nicht nachkommt und die Erde und das Wasser um die ehemalige Fabrik immer noch stark kontaminiert sind. „Kodaikanal won’t step down until you make amends now.“, ist die einprägsamste Aussage des Songs: Kodaikanal wird nicht nachlassen bis Unilever angemessene Wiedergutmachung leistet.

„Kodaikanal Won’t“ ist nicht Sofia Ashrafs erster Aufruf in diese Richtung. Schon 2008 erlangte sie größere Berühmtheit, als sie einen ersten Rap Song über die Gaskatastrophe von Bhopal veröffentlichte. Der Song „Don’t Work for Dow“ ruft den Chemiekonzern Dow auf, seine Verantwortung für die gigantische Gasexplosion 1984 zu tragen. Im Juni 2016 veröffentlichte Sofia Ashraf ein weiteres Lied über den Konflikt und die Nacharbeitung der Katastrophe von Bhopal.

Neben umweltbezogenen Aufrufen veröffentlicht die junge Frau auch sozialkritische Lieder, arbeitet mit dem weltberühmten Bollywood Komponisten A. R. Rahman zusammen und setzt sich zum Beispiel für Aufklärung von Frauen ein. Definitiv also eine Person, die man im Auge behalten sollte.

Text Paul Wehner

Link zu dem Youtube Video: http://bit.ly/1fNuNMx