In Indien motiviert das Projekt “PDS Organic Spices” regionale LandwirtInnen zu biologischer Produktion

 

Seit einigen Jahren hat sich in der Industrie ein Trend herausgebildet, der neben Preis, Qualität und Fairness eines angebotenen Produktes, einen Schwerpunkt auf Umweltfreundlichkeit setzt. Besonders stark ist dieser Trend bei Lebensmitteln, doch auch auf anderen Produkten wird auf die CO2-neutrale Herstellung oder die Vermeidung umweltschädlicher Stoffe hingewiesen und sogar erwähnt, was der Konzern anderweitig noch für die Umwelt tut. Es lässt sich vielleicht in dem ein oder anderen Fall darüber streiten, wie sehr diese Informationen nur dazu dienen sollen mehr Absatz zu machen. Doch so lange der Text auf der Verpackung hält was er verspricht, ist es alles in allem eine positive Bewegung.

Viele Organisationen, Firmen und Einzelpersonen haben jedoch schon längst erkannt, dass das Anbieten von umweltfreundlichen Produkten nicht nur den KonsumentInnen gefällt. Biologische Landwirtschaft zum Beispiel hat weitaus mehr Vorteile als nur einen größeren Absatz. Eine südindische Nichtregierungsorganisation namens „Peermade Development Society“ erkannte dies schon vor mehr als 20 Jahren.

PDS ist seit über 30 Jahren aktiv. Als eine der größten NGOs des Landes beschäftigt sich die Organisation mit vielen verschiedenen Angelegenheiten und Herausforderungen. Dabei spielen Agrarprojekte, wie „PDS Organic Spices“, um das es in diesem Artikel geht, nur eine Rolle, neben Themen wie Frauenemanzipation, Erhaltung traditionellen Wissens, Familienberatung, Unterstützung von regionalen Unternehmen und anderen sozialen Bereichen.

Pestizide verursachten Probleme

Die Peermade Development Society (PDS) arbeitet hauptsächlich im südlichen indischen Bundesstaat Kerala, in einer Region, in der viele Menschen von der Landwirtschaft und besonders dem Anbau von Tee und Gewürzen leben. Gerade die Gewürzbauern und -bäuerinnen hatten Anfang der 1990er Jahre mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Der jahrelange hohe Gebrauch von chemischen Pestiziden hatte für mehr Pflanzenkrankheiten und Bodenerosionen gesorgt und damit einen stark abnehmenden Ertrag und vermehrte Kosten im Anbau verursacht. Die Pestizide gelangten auch in umliegende Flüsse und Teiche, sodass eine zunehmende Sterberate von Fischen zu beobachten war. Die ArbeiterInnen auf dem Feld litten unter gesundheitlichen Folgen, da sie beim Versprühen der Mittel keinen ausreichenden Schutz trugen.

Da PDS den Kontakt mit der regionalen Bevölkerung schon immer stark gepflegt hat, wurden sie damals recht schnell auf die Probleme aufmerksam. 1995 berief die NGO eine Nationale Versammlung ein. WissenschaftlerInnen, ExpertInnen verschiedener anderer Nichtregierungsorganisationen, sowie VertreterInnen der LandwirtInnen wurden eingeladen, um die Lage zu besprechen und eine Lösung zu finden. Chemische Pestizide und Dünger konnten nicht weiter angewendet werden, wenn das Land auch in Zukunft noch nutzbar sein sollte. Die Versammlung beschloss, dass PDS die Bauern/Bäuerinnen der Region motivieren sollte, auf biologische Landwirtschaft umzustellen.

Vielseitige Unterstützung

Seit über 20 Jahren wird diese Aufgabe nun verfolgt. PDS veranstaltet verschiedene Seminare, Schulungen und Versammlungen, um neuen InteressentInnen die Grundlagen biologischer Landwirtschaft näher zu bringen oder bereits umgestiegene LandwirtInnen weiterzubilden. Durch Projekte wie das „PDS Organic Farm Unit“ erhalten die Begünstigten neben Trainings auch materielle Unterstützung in Form von biologisch aufgezogenen Setzlingen, Dünger und Samen. WissenschaftlerInnen testen die Böden der Bäuerinnen und Bauern, um ihnen den richtigen Dünger empfehlen zu können. Außerdem stellen sie biologische Schädlingsbekämpfer her, die zum Beispiel gegen Pilze vorgehen.

Was vor über 20 Jahren mit 500 LandwirtInnen anfing, hat sich heute zu einem Projekt mit mehreren tausend Beteiligten entwickelt – schließlich profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch der Bauer/ die Bäuerin selbst. Der Wechsel von konventioneller zu biologischer Landwirtschaft schont den eigenen Boden nicht nur für kommende Familiengenerationen, die LandwirtInnen bekommen für ihre Gewürze auch mehr Geld. Besonders, wenn sie global anerkannte Standards einhalten.

Zitat: „Schließich profitiert nicht nur die Umwelt“

Um die Produkte der Bauern/ Bäuerinnen aus dem Projekt besser vermarkten zu können, baute PDS schon Ende der 1990er Jahre eine Agrarproduktion und Exportdivision auf. Ein Teil davon ist eine eigene Fabrik zur Verarbeitung der Gewürze. Es war ein großes Projekt, doch die viele Arbeit hat sich gelohnt. PDS vermarktet die eigenen Gewürze mittlerweile in Europa, Japan, den USA und Australien. Und das Interesse an fairen und biologisch angebauten Gewürzen steigt auch in Indien, so dass die Organisation mittlerweile auch im eigenen Land verkauft.

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Ganze Familien profitieren von der Fabrik. Denn PDS kann so nicht nur den (in der Regel männlichen) Bauern mehr Geld für ihre Erzeugnisse bieten, sondern in der Firma auch Frauen einstellen und ihnen so eine Arbeit vermitteln. Die Arbeiterinnen stellen vor allem Verpackungsboxen für die Gewürze her. Material ist dabei die Pflanze Vetiver, die überall in der Region zu finden ist.

„PDS Organic Spices“ vereint die Vorteile für beide Seiten – ErzeugerInnen und KonsumentInnen. Das Ziel ist nicht nur biologische Landwirtschaft zu fördern, sondern auch regionale Gemeinschaften zu stärken. Die Nachhaltigkeit des gesamten Projekts und seiner Produkte sorgt dafür, dass die positiven Effekte noch lange andauern können.

Text Liam Bowes

 

Link zur Homepage von PDS: http://www.pdspeermade.com/index.html